Fundus und Unauffindbares. Medienarchäologisches Sammeln in globaler Perspektive (RVL)
Ringvorlesung zur Gegenwart und Zukunft des medienarchäologischen Fundus'.
Instructor: Prof. Kassung/Prof. Tkaczyk
Term: Sommersemester 2026
Location: UDL 6, Raum 3075
Time: Di. wöchentlich 18–20 Uhr
Kurzbeschreibung
Mediengeschichte manifestiert sich in Artefakten. Mit diesen dinglichen Überresten befasst sich die Medienarchäologie: sammelnd, kontextualisierend, interpretierend und kritisierend. Einerseits geht es dabei um Genealogien, also die Freilegung von Verbindungslinien und Brüchen zwischen diachronen Medientechnologien und medialen Praktiken. Andererseits richtet sich der medienarchäologische Blick auf die Artefakte selbst – ihre materielle Beschaffenheit, ihre technische Funktionsweise sowie die spezifischen Medienlogiken, die sich unter anderem aus dem Experimentieren mit und dem haptischen Begreifen der Artefakte ergeben.
Dieser doppelten Perspektive folgt der medienarchäologische Fundus der Humboldt-Universität zu Berlin seit nunmehr zwei Jahrzehnten und hat damit internationale Aufmerksamkeit erlangt. Die Lehr- und Forschungssammlung am Kupfergraben 5 umfasst rund 400 Objekte, vorwiegend Medien der europäischen Moderne. Vor dem Hintergrund neuer Ansätze in Medien- und Kulturwissenschaft ergeben sich nun auch neue Fragestellungen an den Fundus: Wie lässt sich die Sammlung globalhistorisch erweitern und zugleich kritisch reflektieren? Lassen sich beispielsweise aktuelle Methoden der Provenienzforschung sowie Strategien des »Undoing« von Sammlungen integrieren – insbesondere im Umgang mit Artefakten aus politisch problematischen Kontexten? Aus welchen Materialien bestehen die Artefakte und unter welchen ökologischen und arbeitsrechtlichen Bedingungen wurden sie hergestellt? In welcher Weise können Sammlungspraxis und spekulative Historiografie miteinander verschränkt werden, um bisher nicht berücksichtigte oder unauffindbare Artefakte einzubeziehen? Welche Nutzungsszenarien eröffnen sich aus Perspektiven der Gender Studies, der Race Studies oder der Disability Studies? Und wie kann eine medienarchäologische Sammlung auf gegenwärtige Verschiebungen innerhalb der Medien- und Kulturwissenschaft reagieren – weg von der Analyse einzelner Medien wie Grammophon, Film oder Schreibmaschine, hin zu global vernetzten Medieninfrastrukturen, planetaren Cloud- und Plattformökonomien sowie modellbasierter KI-Technologie.
Teilnahme
Der Besuch dieser Vorlesung setzt keine Studienleistungen voraus. Die Vorlesung findet als Präsenzveranstaltung statt und beginnt am 14.10.2025. Zur Teilnahme melden Sie sich bitte im zugehörigen Moodle-Kurs mit dem Passwort »Praeludium« an.
Prüfungen
Ein Teilnahmeschein kann durch regelmäßige Teilnahme (3 LP) erworben und zusätzlich eine Modulabschlussprüfung mit einem eigenen Beitrag etwa in Form einer Studie zu einem vorhandenen Sammlungsobjekt oder eines begründeten Anschaffungsvorschlags (4 LP) abgelegt werden. Im ÜWP-Bereich ist es möglich, durch Extraleistungen weitere LP nach individueller Absprache (1 LP durch frei gewählte Zusatzlektüre mit einseitigem Kurzbericht, mehr LP in Form einer schriftlichen oder multimedialen Arbeit entsprechend Aufwand) zu erwerben. Die Absprache erfolgt jeweils nach den Vorlesungen oder innerhalb der Sprechstunde.